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Wie löse ich Glaubenssätze auf?

Aktualisiert: 6. Juli 2023


Vor einigen Jahren hatte ich Karten für ein Theaterstück, zu dem ich mit meiner

Schwester und einer Cousine gehen wollte. Meine Cousine wurde leider krank und meine Schwester und ich beschlossen, unseren Vater mitzunehmen. Nun ist mein Vater ein einfacher Mann, der wahrscheinlich noch nie in seinem Leben im Theater war. Er kam in den Siebzigern aus dem damaligen Jugoslawien als Gastarbeiter. Ich bewundere ihn für seinen Mut, denn damals war es um einiges schwieriger. Er hatte keine Ahnung, worauf er sich einließ, denn er hatte bis zum Tag der Auswanderung das Land nicht verlassen. Er kannte Deutschland nur aus Geschichten - das Land der Möglichkeiten, das Land, in dem man gutes Geld verdienen kann. Nicht wie sein Dorf, abgeschieden von der Welt. In diesem Dorf, in dem Butter noch im Butterfass selbst hergestellt wird, und zwar nicht aus nostalgischen Gründen, sondern einfach, weil es sonst keine Butter zum Kaufen gab.

Und so fragte ich meinen Vater freudig über diese wunderbare Möglichkeit und in der Erwartung, dass er sich mindestens genauso freut. Seine Antwort war jedoch: "Das ist nichts für Leute wie mich."

Als ich diesen Satz hörte, war es einer dieser Momente, der mir eine Welle an Klarheit über mein eigenes Glaubenssystem verschaffte. Es war wie ein Vorhang, der fiel, und es tat sich die ganze darunterliegende Logik auf. Das war die Herkunft auch meiner Glaubenssätze, die so häufig dazu führten, dass ich mich nicht zugehörig fühlte.

Diese Stimme im Kopf, die mir ganz subtil einflüsterte "Das ist nichts für dich, du wirst dich lächerlich machen", "Du bist nicht wie die anderen".

Ich erinnere mich dabei an eine ganz besonders leidvolle Situation. Ich hatte gerade eine neue, bessere Stelle bekommen und wurde auf ein Event nach Dubai eingeladen.

Das war nicht meine erste Geschäftsreise, aber definitiv die luxuriöseste. Wir flogen erste Klasse und das Hotel ist bis heute das beste, in dem ich je übernachtet habe. Das Zimmer war riesig und alles in dem Hotel hochwertig. Das Bad aus Marmor, mit orientalischen Verzierungen, überall dieser ganz spezielle Geruch des Orients, omanischer Weihrauch, der dezent aber doch wahrnehmbar war.

Die Veranstaltung meiner damaligen Firma war pompös und die Gäste, also auch ich, wurden von vorn bis hinten verwöhnt.

Die anderen hatten die Zeit ihres Lebens, ich konnte es jedoch nicht genießen. An einem Abend, wir kamen gerade zurück von einem Ausflug, an dem ich mich wahrscheinlich ziemlich eigenartig benahm, weil ich konstant das Gefühl hatte, jetzt kommt gleich jemand und fragt: "Wie kommst DU denn hierher? Das muss ein Fehler gewesen sein, du gehörst hier nicht hin."

An dem Abend jedenfalls rief ich völlig aufgelöst meine Freundin an und erzählte ihr, wie schrecklich ich es fand. Wie viel Angst ich hatte, dass man mich "erwischt", ein bisschen wie Aschenputtel, das befürchtet, von der Stiefmutter erwischt zu werden, weil es heimlich auf die Feier des Prinzen schlich. Das war ein Imposter Moment vom feinsten.

Ich fühlte mich also, als ob ich hier einfach nicht dazu gehörte und jeder wusste es. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es jemand beendete.

Dieses Gefühl hatte ich immer wieder. Ein bisschen wie ein Mensch 2. Klasse, der jederzeit wieder in seine Schranken gewiesen werden kann. Irgendwie anders, obwohl ich, entgegen meiner Eltern, perfekt angepasst war und einen guten Job machte.

Und trotzdem, es war nicht immer so. Die Wende kam, als ich mir der Herkunft dieser Stimmen bewusst wurde. Diese wohlwollende und verständnisvolle Sicht hat in mir einen Raum geschaffen, der eben auch das halten konnte. Dann kamen die Bilder und Geschichte einer 6-Jährige die wahrscheinlich zu früh eingeschult wurde. Mein Deutsch war wahrscheinlich eher ausreichend als gut. Und irgendwie war ich anders, ich wusste nicht wie, ich wusste nicht was an mir nicht stimmte, aber das Gefühl, nicht dazu zu gehören und anders zu sein, steckte tief in mir drin.


Woher kommen die Glaubenssätze?


Glaubenssätze formen unsere Realität. Wir alle kennen Geschichten und haben selbst Erfahrungen gemacht, wie es ist an etwas ganz fest zu glauben und es dadurch dann letztendlich zu erzeugen, oder den Antrieb und das Selbstbewusstsein zu haben um es zu schaffen. Doch woher kommen dann diese limitierenden Glaubenssätze wie: "Du bist nicht gut genug", "Du bist es nicht wert" usw?

Zunächst einmal, wir Menschen sind komplexe Wesen. Wir bekommen Gehirne, die anders als bei anderen Lebewesen eben noch nicht "vorprogrammiert" sind, sondern durch unsere Erfahrung entstehen. Unsere Gehirne sind also so gebaut, dass sie anhand von Vergangenem auf die Zukunft projizieren. Und die wichtigste Aufgabe ist, uns vor Gefahren zu bewahren.

Unsere Glaubenssätze sind Teil dieses Systems. Sie ordnen uns ein und schützen uns vor Gefahren wie dem Ausgeschlossenwerden - für Menschen ist es lebenswichtig, dazuzugehören. Ein Kind ist abhängig von den Bezugspersonen und später auch von der Gruppe.

Wir tun also alles, um so zu sein, dass wir nicht ausgeschlossen werden.

Unsere Glaubenssätze sind kein Fehler, es ist ein sehr intelligentes Schutzsystem.

Anstatt sich für die Glaubenssätze zu verurteilen, ist es wichtig zu hinterfragen, wozu sie entstanden sind und wozu ich sie heute noch benötige.



Das innere Kind nähren


Als ich nun innerlich das verletzte 6 jährige Kind vor mir sah, hatte ich direkt das Bedürfnis es zu halten und ihm Orientierung zu geben. Ihm das zu geben, was es in der Situation zu sehr gebraucht hat.

An dieser Stelle ist es nicht unbedingt nötig, in die Vergangenheit zu gehen und zu analysieren, sondern das was kommt, zu halten. Dem einen liebevollen und verständnisvollen Raum zu geben und zu fragen, was brauchst du (verletzen inneres Kind) von mir (Erwachsene Person)?

Und manchmal ist es einfach nur gesehen zu werden und zu würdigen was da so sehr schmerzt.

Das ist eine sehr kurze Zusammenfassung zu einer Übung die auch sehr lange und mit sehr vielen Abzweigungen verlaufen kann. Wenn wir etwas das in uns entstanden ist, verändern wollen, dann können wir das nur erzielen, wenn wir mit dem in Beziehung gehen und uns anfreunden.


Carl Rogers sagt:


„Das seltsame Paradox ist, dass, wenn ich mich so akzeptiere wie ich bin, ich die Möglichkeit erlange, mich zu verändern.“

Möchtest du erfahren, welche inneren Kritiker und Glaubenssätze dir dein Leben schwer machen?





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