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Kontraintuitiv - warum auf den Bauch hören, nicht immer die Beste Lösung ist...

Eins vorweg, man könnte vom Bild her meinen, ich war heute in den Bergen beim Mountainbiken. Nichts liegt mir ferner! Ich bin nämlich ein eher ängstlicher Mensch und Geschwindigkeit macht mir eindeutig Angst!





Deshalb habe ich vor ein paar Jahren, nicht zuletzt aufgrund eines Kreuzbandrisses, schweren Herzens das Skifahren aufgegeben.

Ich war nicht sonderlich gut, aber auch nicht schlecht. Schließlich stand schon mit 13 das erste Mal auf Skiern und seitdem sehr regelmäßig. Ich habe es geliebt, morgens früh aufzustehen, noch im Dunkeln, die Sachen die ich am Vorabend schon zusammengesucht habe einzupacken und ab in die Berge! Spätestens in Österreich dann, Stau, anstehen, um einen Parkplatz im völlig überfüllten Skigebiet zu finden.

Und genau so gehts dann weiter, anstehen, ein paar Minuten richtig viel Spaß und Adrenalin, bevor wir uns wieder anstellen müssen.

Aber war aber viel mehr, die ganze Atmosphäre, der Geruch von Schnee, die Geräusche von Skiern die über den Schnee gleiten, das deftige Mittagessen auf leeren und hungrigen Magen in der warmen Hütte.

Ich weiss noch, dieses glück erfüllte Gefühl zu sitzen und sich für eine Weile auszuruhen, die Sonne auf der Haut zu spüren und es dann aber auch nicht mehr erwarten, wieder auf die Piste zu können. Das ist oder war für mich Skifahren!

Es gab aber auch eine unberechenbare Schattenseite.

Wenn die Herausforderung zu groß war, dann habe ich Angst bekommen und mein Kopf war blockiert.

So war es eines Morgens in einem mir gut bekannten, aber relativ kleinen Skigebiet, meine Freunde waren gelangweilt von den immer gleichen Pisten. Ganz anders als ich, war es für mich eine Wohltat, die Piste zu kennen. Jede Eisplatte, jeden Huckel, zu wissen, wo ich wie fahren muss. Wo ich aufpassen muss und wo ich getrost Schuss runter fahren kann.

Trotzdem wollte ich nicht der Spielverderber sein und gehe mit den anderen mit. So sind wir dann auf neuen Wegen auf einer Buckelpiste gelandet. Der Freund meiner Freundin war direkt erfreut, endlich ein bisschen Herausforderung! Für mich hatte das nichts mehr mit Spaß zu tun! Es schien wie eine schier unbewältigbare Aufgabe, diesen Berg runterzukommen.

Ein Huckel, gaaaanz langsam, ganz weit ausholen, um ihn zu umfahren, oh nein - prompt in einen neuen Huckel reingefahren und die Kontrolle verloren. Ok - wieder aufstehen. Von vorne! Ich werde immer langsamer, immer vorsichtiger. Die anderen mussten auf mich warten. Scham, Wut und Angst wechselten sich ab. "Wieso mussten sie mich zu dieser Piste überreden! ", " Ich komme hier nicht mehr runter", " Oh Mann, wie peinlich, sie stehen ein paar Meter weiter unten und sehen mir zu wie ich mich hier am Berg anstelle"


Und es war wirklich wie ein Blackout - in diesen Momenten wusste ich nicht mehr, wie man Ski fährt. Ich konnte es nicht mehr abrufen!


Also ich dann die Schnauze voll hatte und einfach nur runter wollte, ist es passiert! Ich hatte alles Mögliche im Kopf, konnte mich nicht mehr konzentrieren und habe dann ziemlich bald die Kontrolle verloren über meine Ski. Mit ziemlich hoher Geschwindigkeit bin ich dann gestürzt, ein kurzer Knall, Mist! Was war das?

Irgendetwas stimmt nicht! Ich liege am Boden und wusste, ich kann nicht mehr weiterfahren!


Der Vorteil an so richtig teuren Skianlagen, man hat auch gute Bergretter! Eine kurze Info an meine Freunde, die dann die Bergretter gerufen haben. Mit einem Ski Mobil haben sie mich abgeholt und in ihre Zentrale gefahren. Ich bin völlig aufgelöst, sie völlig routiniert rumgealbert. "Ist ein Kreuzbandriss, du wirst heute operiert und morgen kannst du wieder Ski fahren!"

Alle haben gelacht. Ich konnte nicht lachen, wollte nur noch heim!


Ein paar Tage später hatte ich es dann schwarz auf weiß - es war ein Kreuzbandriss.

Und ich habe ihn dann ein paar Wochen später auch operieren lassen.

Eine Saison habe ich ausgelassen, die darauffolgende bin ich jedoch mit einen privaten Skilehrer wieder auf die Piste.

Ich habe wirklich allen Mut zusammengenommen, aber an einem bestimmten Punkt habe ich dann realisiert, ich habe zu viel Angst.

Ich geb auf.


Das ist mein Spirit, wenn es um Geschwindigkeit oder Sturzgefahr geht, ob auf Skiern oder auf dem Fahrrad.


Und jetzt zum Thema des Titels - heute morgen bin ich mit dem Fahrrad durch Wald und Schotter gefahren. Es war wirklich sehr schön, Sonne, Wald und Natur!

An der Schotterstrecke bin ich dann aber doch nervös geworden! Schotter führt dazu, dass ich die Kontrolle über mein Fahrrad verliere.

Ich möchte langsamer fahren und bremsen und merke, wie es noch wackeliger wird. Die Situation kenne ich schon und weiß, ich muss weiterfahren und zwar am besten relativ schnell, auch wenn alles in dir schreit - ‘Halt’


Erst das Bewusstsein und das Abstand nehmen führt dazu, dass ich diese Situation klar bewerten kann. Das heißt nicht, dass das Gefühl von Angst weg ist. Es ist da und es bleibt auch noch eine Weile - und trotzdem fahre ich weiter!

Menschen haben häufig die Erwartung,wenn etwas schwer ist, ist es ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Also, eine Meditation holt schwierige Gefühle hoch, das heißt, meditieren ist nicht gut für mich.

Ein Mensch triggert mich, macht mich wütend und weckt alte Verletzung in mir wach, das bedeutet, ich schließe ihn/sie aus meinem Leben aus.

Oder mein Gefühl sagt mir, irgendetwas stimmt nicht und ich höre 100% auf meine Gefühle.


Das Gefühl wahrzunehmen, ist jedoch erst der Anfang! Wie in meinem beschriebenen Fall bedeutet es, innezuhalten und sich bewusst zu werden, was passiert hier gerade?

Denn wenn ich hier rein auf mein Gefühl und dem Impuls folge, dann ist die Gefahr, mich zu verletzen, um ein Vielfaches höher.


Wenn wir beginnen, eine Beziehung zu unserer Gefühlswelt aufzubauen, dann ist das ein Weg uns selbst näher kennenzulernen und uns selbst mit all unseren Teilen liebevoll da sein zu können.

Dann erkennen wir, dass die Traurigkeit, die wir immer weghaben wollen, den Schlüssel zu unserem Glück beinhaltet.


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