Mythen zum Thema Achtsamkeit & Meditation

Während Achtsamkeit an Popularität wächst, wachsen leider auch die Mythen rund um das Thema. Und so merke ich immer wieder, dass die Menschen mit einer falschen Erwartungshaltung an das Thema gehen und so die gesamte Wirkung der Achtsamkeit hinterfragen. 

Der Blogeintrag klärt über einige dieser Mythen auf. 

1. Achtsamkeit ist die Lösung all meiner Probleme

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Achtsamkeit transformierend sein kann. Ich bin deutlich glücklicher und fühle mich viel wohler in meinem Körper und in meinem Leben.  Und es freut mich wirklich wenn ich andere Menschen sehe, die Achtsamkeit für sich entdeckt haben. Allerdings ist Achtsamkeit kein Wundermittel! Es ist ein guter Start, schafft Bewusstsein und kann sehr heilsam sein, jedoch bedarf es häufig etwas anderes wie beispielsweise eine gute Coaching oder Therapiestunde oder vielleicht regelmäßige körperliche Bewegung. 

 

2. Man muss täglich 45 Minuten meditieren

In MBSR Kursen (Mindfulness Based Stress Reduction) die der Goldstandard für Achtsamkeitskurse sind, gibt es eine tägliche Empfehlung täglich 45 Bodyscan zu machen. Ich habe in meinem ersten MBSR Kurs selbst lange damit gehadert, weil das schien mir schier unmöglich und in mir hat sich eine Unlust bei dem Gedanken eingestellt. So sehr, dass ich es kaum geschafft habe, überhaupt zu meditieren. Ich habe es dennoch nach dem Kurs geschafft eine regelmäßige Praxis in meinen Alltag zu integrieren. Angefangen mit 8 Minuten, das hat sich langsam gesteigert und jetzt meditiere ich meist zwischen 20 und 40 Minuten. Und wenn es bei 8 Minuten bleibt, ist auch das gut! Viel wichtiger ist, es regelmäßig und zwar am besten täglich zu üben. Denn es ist wie beim Sport, wenn ich für einen Marathon trainiere, dann reicht es nicht wenn ich einmal in der Woche laufe. 

Also, je länger desto besser, aber kurz und regelmäßig ist besser als ab und zu lang.

 

3. Wenn Widerstände aufkommen, dann ignoriere sie

 

Wir haben als Menschen die Tendenz, wenn etwas unangenehm ist, es weghaben zu wollen. Aus der Sicht der Achtsamkeit haben wir eine ganz andere Herangehensweise. Und zwar auch, wenn es um Widerstände gegen die Meditation geht. Widerstände sind ganz normal, sie begegnen jedem Meditierendem früher oder später. Anstatt dagegen anzukämpfen, können wir uns dem was ist, öffnen und als Gegenstand unserer Meditation machen. 

4. Während der Meditation, darfst du nicht denken

Das ist unser Traum, Meditation ohne denken. Das geht aber nicht lang, weil denken eine ganz natürliche Funktion unseres Gehirns ist. Wenn unser Gehirn nicht mit einer anderen Aufgabe befasst ist, dann denkt es. Das nennt man Default Mode Network. In der Meditation gehen wir nicht in die Geschichte rein, sondern wir versuchen die Gedanken wahrzunehmen, und fokussieren uns auf den Atem und unsere Empfindungen.  Das klappt nicht immer, also nicht so streng mit sich sein. 

5. Eine Meditation fühlt sich immer angenehm an

Eine Meditation ist immer wie Luft und Liebe.... schön wärs! In der Meditation taucht das auf, was im Leben gerade präsent ist. Manchmal sind das angenehme, manchmal aber auch unangenehme Themen. Wenn ich mitten in einer Scheidung stecke, dann sitze ich mit Traurigkeit, Angst und all dem was da sonst noch an Emotionen auftaucht. Es geht also nicht darum dass es besonders angenehme Gefühle sind, sondern darum, mit sich sein zu können.