Das Herz auf Weihnachten vorbereiten

“Wenn du glaubst, du bist erleuchtet, dann geh an Weihnachten nach Hause zu deiner Familie!"

Das Fest der Liebe steht an, und für viele ist das auch mit schwierigen Gefühlen verbunden. Wenn wir auf unsere Familie treffen und diesen heiligen Feiertag feiern, dann fallen wir plötzlich wieder zurück in alte Muster und fragen uns vielleicht:  “Waren wir da nicht schon weiter?” 

 

Auch die Zeit vor Weihnachten kann stark belastet sein, durch die Dunkelheit die nachgewiesenermaßen eine Auswirkung auf unser Gemüt hat. 

Und dann kommt dieses Jahr leider wieder die Schwierigkeiten der Pandemie hinzu. Und all das verursacht Stress also eine Belastung. 

Und wenn wir unter einer starken Belastung sind, dann ist es sehr viel leichter in alte Verhaltensmuster zurück geworfen zu werden. Vielleicht fallen wir wieder zurück in das Gefühl irgendwie nicht dazu zu gehören irgendwie fremd zu sein in der Familie. Oder werden wütend weil wir wieder kritisiert werden. An Weihnachten treffen wir unsere treusten Muster.

Für viele andere bedeutet Weihnachten aber auch eine Zeit der Einsamkeit freiwillig oder unfreiwillig und die damit verbundene Traurigkeit über diesen Zustand. 

Und gleichzeitig ist Weihnachten ja das Fest der Liebe und des Beisammenseins.

Also eine gute Gelegenheit sich daran zu erinnern. 

 

Denn die Zusammenkunft mit geliebten Menschen kann auch ein Ort der Glückseligkeit und Geborgenheit sein. 

 

Oder für Menschen die alleine feiern auch die Zeit der Meditation, Ruhe und Besinnung. 

Wie können wir das gute an Weihnachten in uns nähren oder erwecken wenn es gerade nicht so spürbar ist. 

 

Reflektion:

An dieser Stelle kannst du für dich reflektieren, wie geht es dir mit den bevorstehenden Feiertagen?

Gibt es einen Teil der sich verhärtet, der Angst hat verurteilt zu werden für die Lebensentscheidungen die du getroffen hast. 

Gibt es ein Unwohlsein oder vielleicht eine Vorfreude? Vielleicht gibt es auch eine bedingte Vorfreude, also wenn es diesmal so wird wie ich es mir vorstelle, dann … 

Oder fürchtest du dich schon vor den Gefühlen der Einsamkeit? 

Wenn es sich für dich gut anfühlt, dann kannst du das einfach mal aufschreiben und es dir von der Seele schreiben. 

5 Schritte zur Vorbereitung

1. Dein Herz öffnen

Wenn du ähnlich bist wie ich, dann wirst du ganz viel planen und denken. Also, wie kann ich es besser machen? Ich kann ich das und das verhindern? Und vielleicht merkst du das sogar irgendwann. Du merkst zumindest den Unterschied wenn du in deinem Herzraum bist, wenn du in deinem Selbst bist, in deinem Gewahrsein und wenn du es nicht bist. Und es ist manchmal gar nicht so leicht, uns zu berühren. 

 

Es gibt so eine nette Geschichte aus der jüdischen mystischen Tradition gibt es die Geschichte eines großen Rabbiners, der seinen Schülern beibrachte, die Lehren der heiligen Worte auswendig zu lernen, zu rezitieren, zu betrachten und sie aufs Herz zu legen. Eines Tages fragte ein Student den Rabbi, warum er immer den Ausdruck „aufs Herz“ verwende. Der Meister antwortete: „Nur etwas Größeres als du selbst kann die Lehren in dein Herz legen.Hier rezitieren und lernen wir und legen sie aufs Herz, in der Hoffnung, dass sie eines Tages, wenn dein Herz bricht, hineinfallen.“

 

Und das finde ich sehr schön, also wir lernen indem wir berührt werden. Und da gibt es viele Beispiele. Das klassischer Fernsehprogramm ist voll davon. 

 

Und hier eine kleine Weihnachtsgeschichte die beschreibt wie ein Frau mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen am Weihnachtstag reist.  Sie machten Rast in einer fast leeren Gaststätte. Plötzlich zog ihr jüngster Sohn, ein Einjähriger, Eric, die Aufmerksamkeit eines alten Mannes auf der anderen Seite des Raumes auf sich. Als die Frau ihn sah, konnte sie es kaum fassen. Der Mann hatte einen zerfetzten Mantel, Schuhe mit Löchern. Die beiden, der Sohn und dieser alte Mann, begannen rumzualbern. Er sagte: „Hallo, kleiner Junge. Ich sehe dich, Freundchen.“ Und das Baby sagte: „Hallo, hallo“, zwei Worte, von denen es dachte, sie seien eins. "Hallo, hallo." Und dann sagt der alte Mann: „Kannst du Kuckuck spielen? Hey, er kann Kuckuck spielen.”

Niemand fand es lustig. Es wurde als störend empfunden, und ein paar Leute im Restaurant stöhnten laut. Und die Frau wurde immer wütender. Sie drehte den Hochstuhl des Babys vom Mann weg. Aber sie erzählte, Eric habe geschrien und wurde immer lauter, denn er wollte sich zu seinem Kumpel drehen. Ihr Gedanke war: "Dieser alte Knacker macht meinem Baby Probleme." Der Ehemann fühlte sich beschämt. Er ging die Rechnung bezahlen und sagte: "Hol Eric und komm zum Parkplatz, ich warte dort." 

Und folgendes passierte.  Sie erzählte: „Ich habe den kleinen aus dem Kinderstuhl genommen und habe zum Ausgang geschaut. Der alte Mann saß gelassen und wartete an seinem Stuhl direkt zwischen mir und der Tür. Herr, lass mich hier raus, bevor er mit mir spricht. Eric und ich gingen zur Tür. Es stellte sich bald heraus, dass sowohl der Herr als auch Eric andere Pläne hatten. Eric, seine Augen auf seinen besten Freund gerichtet, beugte sich weit über meinen Arm und streckte beide Arme in die „Heb mich hoch“-Position eines Babys aus. Und im Bruchteil einer Sekunde, in der ich mein Baby ausbalancierte, stand ich dem alten Mann direkt gegenüber. Eric stürzte sich auf ihn, die Arme weit gespreizt. Die Augen des alten Mannes fragten und flehten: „Würdest du mich dein Baby halten lassen?“ Ich musste nicht antworten, da Eric sich von meinen Armen auf die des Mannes stürzte. Plötzlich waren ein sehr alter Mann und ein sehr junges Baby in eine Liebesbeziehung verwickelt. Die Augen des Mannes schlossen sich und ich sah Tränen unter seinen Wimpern hochsteigen. Seine alten Hände voller Schmutz und Schmerzen und harter Arbeit, sanft, so sanft wiegten sie den Po meines Babys und streichelten seinen Rücken. Ich stand ehrfürchtig da. Der alte Mann wiegte sich und wiegte Eric für einen Moment in seinen Armen. Und dann öffneten sich seine Augen und richteten sich direkt auf meine. Er sagte mit fester, entschlossener Stimme: ‚Passen Sie auf dieses Baby auf.‘ Irgendwie gelang es mir, ‚das werde ich‘ aus meiner Kehle, zu pressen. Widerstrebend, sehnsüchtig löste er Eric von seiner Brust, als hätte er Schmerzen. Ich hielt meine Arme offen, um mein Baby zu empfangen, und wieder sprach mich der Herr an: ‚Gott segne Sie, Ma’am. Sie haben mir mein Weihnachtsgeschenk gegeben.“ Ich sagte nichts weiter als ein gemurmeltes „Danke“, und rannte mit Eric im Arm zum Auto.  Dennis fragte sich, warum ich weinte und Eric so fest umklammerte und ständig sagte: ‚Mein Gott, mein Gott, vergib mir.‘

2. Auf das Gute in den Menschen achten und sie daran erinnern

 

Wir alle verfallen unseren Mustern, und ziehen dann unsere Mauern hoch. Werden wütend, verurteilen die anderen und auch uns selbst.

Dabei tut es so gut zu hören, wenn jemand uns wertschätzt. Denn wir vergessen es selbst so schnell. 

Und das ist das größte Geschenk das wir Menschen machen können. 

Unser Herz öffnet sich, wenn wir das Gute von anderen Menschen reinlassen. 

Und das kannst du spielerisch üben. Schau dir die Menschen vor um an Weihnachten an und suche das Gute. Was schätzt du an ihnen? Was magst du an den Menschen? 

Das können auch Kleinigkeiten sein. Und dann sag es ihnen. 

Das kann das gute Essen an Weihnachten sein, die Art und Weise wie dich jemand zum lachen bringt, oder vielleicht auch die Zuverlässigkeit. Ganz gleich. 

 

Maya Angelou: "Die Menschen werden vergessen, was Du gesagt hast. Die Menschen werden vergessen, was Du getan hast. Aber die Menschen werden nie vergessen, welches Gefühl du ihnen vermittelt hast."

3. Nähre dich selbst

Es ist ganz normal dass wir an diesen Tagen oder mit den Menschen aus unserer Vergangenheit in alte und auch besonders schmerzhafte Muster verfallen. Das ist einfach, wie unser Gehirn funktioniert. Es zeigt uns Verletzungen auf, aufgrund von unerfüllten Bedürfnissen, die in einem Leben leider passieren. Vielleicht wurde unserem Bedürfnis nach Sicherheit, nach Nähe,  nach Autonomie nicht ausreichend nachgekommen. Und daraus entsteht eine Verletzlichkeit, eine Wunde die wir dann zu schützen versuchen. 

Und wir können jetzt die Schotten dicht machen oder je nachdem was unsere persönliche Bewältigungsstrategie ist, vielleicht um die Aufmerksamkeit der anderen kämpfen usw. 

 Oder wir können uns selbst um all unsere verletzten Anteile kümmern. Uns selbst als Erwachsener das geben, was uns einst gefehlt hat. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir das was wir einst vermisst haben, nun von den selben Personen nachträglich bekommen, ist nicht besonders hoch. 

Doch wir können uns selbst nähren, indem wir uns in Situationen in denen wir uns getriggert fühlen, uns selbst zuwenden.  

Übung

Wenn du weißt, dass du wahrscheinlich wieder schwierigen Emotionen wie Traurigkeit, Wut, Ärger usw begegnen wirst, dann kannst du dich schon davor vorbereiten mit der RAIN Übung. Hier kannst du üben dich in diesen Situationen deine Aufmerksamkeit auf dich zu richten und dich selbst zu nähren, um dich dann in der Situation daran zu erinnern. Dies kann dir helfen die Erwartungen in Beziehungen loszulassen, indem du lernst, dir selbst das zu geben was du brauchst. 

 

Die Schritte sind:

R - Recognise (Wahrnehmen) 

A - Allow (Erlauben)

I-Investigate (Erforschen im Körper)

N - Nurture (sich selbst nähren) 

4. Erinnere dich an deine Intention

Wenn ich an Familien Zusammenkünfte denke, dann wird mir mit zunehmenden Alter auch immer mehr bewusst, dass wir nicht wissen wie lange wir noch Gelegenheit haben uns zu treffen. Wir wissen nicht wie lang wir noch mit unseren haben. 

Und ich erinnere mich dann daran, zugegeben häufig erst, wenn ich abwesend am Handy hänge oder eben nicht präsent bin. 

Das kann dann auch eine Einladung für mich sein um mehr Intimität mit meinem inneren Leben zuzulassen. 

Die Erinnerung: Diese Momente zählen.

Also verschwende deine Zeit nicht, mit etwas wie es sein sollte, oder mit dem Planen des nächsten Moments oder digital. 

Wie kannst du Kontakt zulassen,  zu dir und zu den anderen?

 

Übung

Stell dir vor, die Feiertage sind vorbei und fühle dich in deine Intention. Wie wärst du gern anwesend gewesen? Wie wärst du gern in Interaktion gegangen? Wie präsent, wie wohlwollend. 

Spür mal, dass all deine Bedürfnisse von dir selbst erfüllt werden können (siehe RAIN Übung). Du fühlst dich sicher, gesehen, geliebt. Du erlaubst dir ganz du selbst zu sein. 

Und wie ist es, wenn wir diese heiligen Tage (und das meine ich nicht im religiösen Sinn) wirklich diesem Vorhaben mit offenen Herzen zu leben? Wie sähe das für dich persönlich aus? Was fühlt sich für dich stimmig an? 

 

Und zum Schluss gibt es hier eine Herzmeditation die du praktizieren kannst um ganz systematisch die wohlwollenden Gefühle die du bereits in dir hast, ganz bewusst hochzuholen und auf Menschen zu übertragen, bei denen es dir vielleicht nicht so leicht fällt Wohlwollen zu empfinden. Das kann sich am Anfang mechanisch anfühlen, aber glaub mir, es wirkt! Probier es einfach mal aus!